Was ist Verhaltenstherapie?

Grundlegendes Modell der Verhaltenstherapie

Jeder Mensch steckt permantent (also den ganzen Tag über) in den verschiedensten Situationen. Und jeder Mensch erlebt in diesen Situationen Gefühle, hat irgendwelche Gedanken im Kopf und zeigt ein bestimmtes Verhalten. Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Verhaltens, ihrer Gefühle und ihrer Gedanken in den jeweiligen Situationen voneinander.
Zum Beispiel kann es sein, dass Person A auf die Absage eines Treffens mit einer Freundin durch diese mit Ärger reagiert, weil sie denkt, dass die Freundin sie nicht mag und deswegen absagt, während Person B vielleicht Erleichterung empfindet, weil sie denkt „Mein Tag ist eh schon voll genug, dann habe ich mehr Zeit für anderes“.
Dieser Unterschied zwischen Menschen entsteht durch unterschiedliche Lebenserfahrungen, die bestimmte Gedankenmuster (vlg. Grundannahmen, Schemata), aber auch bestimmte Bedürfnisse (z.B. Grundbedürfnisse) hervorrufen.

Warum entsteht ein Problem?

Menschen begeben sich in Behandlung, wenn es ihnen schlecht geht. Also dann, wenn Gefühle „stören“ (ganz egal, ob es eine Angst, Trauer, Niedergeschlagenheit, Gefühl des Zwangs, Ärger oder Wut, Schamgefühle, Schuld oder eine generelle Unzufriedenheit ist). Diese „problematischen“ Gefühle haben in der Regel zwei Ursachen (diese sind oft beide zu finden):

  1. Lebenserfahrungen (u.a. traumatische Erfahrungen, aber z.B. auch Einflüsse der Erziehung in der Kindheit) prägen unseren Blickwinkel auf die Welt. Sowohl die (unbewusste) gedankliche Einstellung zu einer Situation, als auch die Wichtigkeit spezifischer Bedürfnisse kann auf eine Art und Weise geprägt werden, dass immer wieder schwierige Gefühle im Alltag auftauchen.
  2. Der Umgang mit den problematischen Gefühlen: Da wir diese als unangenehm empfinden, versuchen wir sie „weg“ zu bekommen. Die Strategien, mit denen Menschen ihre Gefühle wegbekommen möchten, bringen aber meist weitere Probleme mit sich.
    Z.B. führt Grübeln oder sich über seine Gefühle zu ärgern nicht zur Lösung des Problems, Alkohol- oder Cannabiskonsum nur zu einer vorrübergehenden Dämpfung von Gefühlen, Vermeidung von angsauslösenden Situation nicht zum Erlernen des Umgangs mit den Situationen und Zwangshandlungen nicht zu einem nachhaltig besseren Gefühl.

Wo setzt die Verhaltenstherapie an?

Ich unterteile eine Behandlung immer in zwei Schritte:
Im ersten Schritt geht es darum, sich selbst zu verstehen und kennenzulernen. Dazu gehört auch sich selbst zu beobachten. Konkret heißt das, dass zunächst mal das Problem/die Probleme so herausgearbeitet werden, wie oben beschrieben. Ohne diese Analyse ist ein gezieltes Arbeiten kaum möglich.
Im zweiten Schritt geht es um die Veränderung des Problems. Und so vielfältig, wie die Probleme sein können, sind am Ende auch die Methoden, mit denen Veränderungen erwirkt werden. Es kann sich dabei um die Diskussion eines Denkmusters (vgl. kognitive Umstrukturierung), Verhaltensexperimente (z.B. Konfrontation von Ängsten), eine Verbesserung sozialer Kompetenzen, das Erlernen von Akzeptanz (z.B. nach Verlust) oder auch einen versöhnlicheren Umgang mit sich selbst handeln.

Was ist das Ziel bzw. wie soll der Endzustand aussehen?

Mein Ziel ist es nicht, möglichst schnell ein einzelnes Problem mit einer einzelnen Methode zu lösen. Es gibt kein Rezept wie „Immer, wenn Sie prokrastinieren, wenden Sie diese Technik an und Sie werden danach sofort mit Ihrer Tätigkeit anfangen„. Stattdessen geht es darum, die dahinter liegenden Mechanismen zu verstehen und flexibel im Umgang damit zu werden. Das heißt also auch, dass ich keine störenden Gefühle weg machen kann und will, sondern den Menschen dazu anleite, sich selbst in schwierigen Situationen helfen zu können. Das braucht Zeit und lässt sich nicht mit ein paar Gesprächen erreichen.